Was ist Veganismus?

Logo der Vegan SocietyLogo der Vegan SocietyWas das Wort „vegetarisch“ bedeutet, bedarf in der heutigen Zeit keinerlei Erklärung mehr. Dass Vegetarismus als Lebensweise vollends in unserer Gesellschaft angekommen ist, erkennt man beispielsweise am reichhaltigen Angebot von vegetarischen Speisen im Restaurants sowie am großen Aufgebot von vegetarisch lebenden Berühmtheiten in den Medien.

Stellt man sich dagegen als „Veganer“ oder „vegan lebender Mensch" vor, erntet man in den meisten Fällen nur fragende Blicke, da die große Mehrheit der Gesellschaft mit diesem Begriff leider noch nichts anfangen kann. Dabei ist Veganismus von der Idee her gar nicht so verschieden vom Vegetarismus - nur viel konsequenter und weitreichender:

Definition "Veganismus"

Vegan lebende Menschen lehnen aus den verschiedensten Gründen Produkte ab, welche tierische Inhaltsstoffe enthalten, und verweigern bewusst deren Konsum. Dies betrifft insbesondere die Ernährung (beispielsweise die Verweigerung von Fleisch, Milchprodukten, Eier, Fisch, Honig, Gelantine, Kaviar, ...), aber auch die Kleidung (Verweigerung von Leder, Wolle, Pelz, Seide, Daunen,...) sowie alle anderen Gebrauchsgüter (wie Kosmetika, Medikamente, Wasch- und Putzmittel, usw), welche aus tierischen Inhaltsstoffen gefertigt wurden.

Gründe für eine vegane Lebensweise

Es gibt vielfältige Beweggründe, wieso sich Menschen für eine vegane Lebensweise entscheiden. In der überwiegenden Mehrheit entstammt dieser Schritt der ethischen Überzeugung, dass Tieren - ebenso wie uns Menschen - ein Recht auf Leben, Unversehrtheit und Freiheit zusteht, und daher jegliche Nutzung, Ausbeutung und Tötung von Tieren konsequent abzulehnen ist.

Veganer achten aus diesem Grund meist auch auf Tierversuchs-freie Konsumgüter, und sprechen sich zudem gegen die Verwendung von Tieren im Sport (z.B. Reitsport), zur menschlichen Vergnügung (beispielsweise Film, Fernsehen, Zirkus und Zoo) sowie der medizinischen, industriellen und militärischen Forschung aus.

Jedoch entscheiden sich Menschen auch aus anderen Gründen für eine vegane Lebensweise: seien es gesundheitliche Vorteile, der Wunsch nach einer gerechteren Verteilung von Nahrungsmitteln auf der Welt, oder der Schutz von Umwelt und Klima durch die Annahme einer ökologisch nachhaltigeren Lebensweise.

Heterogenität der veganen „Gemeinschaft“

So unterschiedlich die Gründe sind, so verschieden sind auch die Menschen, die eine solche Lebensweise bewusst gewählt haben: Es existiert nicht DER prototypische Veganer; stattdessen zeichnet sich die vegane „Gemeinschaft“ durch eine große Heterogenität aus: Vom tierliebenden Schulkind, rebellischem Teenager und tierrechtsaktiven Studenten, über rational denkende Wissenschaftler, sozial engagierte Eltern und umweltbewusste Rentner ist das gesamte Bevölkerungsspektrum vertreten.

Vereint sind sie alle jedoch in dem Bestreben „soweit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke zu vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern, was dem Nutzen der Tiere, Menschen und der Umwelt dienen soll“, wie es die „Vegan Society“ in einem Memorandum formulierte (1).

Herkunft des Begriffes "Vegan"

Der Begründer eben dieser Gesellschaft - deren Gründungstag am 1. November 1944 jedes Jahr international als „Welt-Vegan-Tag“ gefeiert wird - ist auch der eigentliche „Erfinder“ des Wortes „vegan“ (2): Der Engländer Donald Watson störte sich daran, dass der Begriff „vegetarisch“ immer häufiger für eine Ernährung verwendet wurde, die auch Eier und Milchprodukte beinhaltete. Damit eine Lebensweise, die ohne jegliche Tierprodukte auskommt, nicht länger als „konsequenter Vegetarismus“ oder „radikaler Vegetarismus“ bezeichnet werden muss, entnahm er aus dem Wort „vegetarian“ (englisch für Vegetarier, vegetarisch) die ersten drei und letzten zwei Buchstaben und schuf somit das Wort „vegan“ (1).

Veganismus = Verzicht?

Entgegen der landläufigen Meinung bedeutet eine solche Lebensweise ohne Tierprodukte keinen Verzicht, da man alle Nahrungsmittel und sonstige Konsumgüter aus tierischen Inhaltsstoffen problemlos und ohne Umstände durch gleichwertige, tierfreie Produkte ersetzen kann (beispielsweise Kuhmilch durch Sojamilch, Schafswolle durch Baumwolle, usw.). Veganer müssen für ihre Lebensweise also keine Selbstdisziplin aufbringen; sie verspüren aus verschiedenen Gründen einfach nicht länger das Bedürfnis, tierische Produkte zu konsumieren (3).

Konsequenzen unserer Lebensweise & Eigenverantwortlichkeit

Zudem existiert keine andere Lebensweise, mit der man so viele verschiedene Missstände gleichzeitig angehen kann. Den wenigsten Menschen ist klar, dass Veganismus nicht nur einen aktiven Beitrag zum Thema Tierrechte bedeutet, sondern auch gleichwertig für Menschenrechte, Umweltschutz, ökologische Nachhaltigkeit sowie eine gerechtere Verteilung von Nahrungsmitteln und Ressourcen auf der Erde eintritt.

Wir Menschen sind von Natur aus dazu in der Lage, die möglichen Folgen unseres Verhaltens zu erkennen, und verfügen glücklicherweise über einen freien Willen. Somit sind wir für die jeweiliges Konsequenzen unseres (Konsum-) Verhaltens vollständig verantwortlich.

Da wir problemlos auf Konsumgüter mit tierischen Inhaltsstoffen verzichten können, ist es nicht gerechtfertigt, dafür Erde, Mensch und Tier auszubeuten. Die Entscheidung, vegan zu leben, sowie eine allgemeine, kritische Hinterfragung der eigenen Konsumweise sind daher wichtige Schritte, um die gegenwärtigen Missstände auf der Welt aktiv zu verändern.

Literatur
1) Wikipedia: Veganismus (Stand: Juni 2010)
2) Wikipedia: Vegan Society (Stand Juni 2010)
3) Kath Clements. Vegan (6. Auflage 2008)

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Kommentare

Ich als Veganerin muss zum Thema Verzicht dann jetzt doch mal sagen, und zwar dass es zu Spiegelei und Frühstücksei keine vegane Alternative gibt...gut, mir fehlt das nicht...und ich weiß auch nicht so recht warum man immer so explizit betonen muss das man auf nichts verzichten muss. Der Verzicht ist gering, aber wie gesagt...manches kann man nicht ersetzen. Und das ist doch auch nicht schlimm! Denn ich verzichte ja bewusst auf tierische Produkte und das nicht weils so leicht fällt (und das tut es schon) sondern aus anderen Gründen. Und das sollte man auch wenns schwerer wäre.

Ja, für Spiegelei oder Frühstücksei gibt es in der Tat keine vegane Alternative, die gleich aussieht & vergleichbar schmeckt ;) Wer ehemals gerne Ei gegessen hat, könnte stattdessen Tofu kleinbröseln, gut würzen & anbraten =)

Aber es ist ja sowieso die Frage, ob jedes unvegane Produkt überhaupt die "perfekte Alternative" braucht.  Durch die Umstellung auf eine vegane Lebensweise ändert sich ja nicht nur die Palette an Lebensmitteln und Speisen, sondern gleichermaßen ja auch meist die Ess-Vorlieben.
Früher als Vegetarier war ich beispielsweise passionierter Käse-Esse, und konnte mir gar nicht vorstellen, wie man sich ohne Käse überhaupt ernähren kann. Inzwischen habe ich aber soo viele neue, mir bis dahin unbekannte Produkte kennen & lieben gelernt, dass ich den "alten" in keinster Weise nachtrauere.
Deswegen empfinde ich die Umstellung nicht als Verzicht, sondern als Bereicherung. Aber natürlich ist es in keinster Weise schlimm oder verwerflich, wenn nicht jeder vegan lebende Mensch das so empfindet. Und niemand soll mit seiner Ansicht hinter dem Berg halten, nur um "der Sache" nicht "schaden" zu wollen. Im Gegenteil: Ehrlichkeit macht nur glaubwürdiger ;)

Omnivoren und Vegetariern werde ich zwar weiterhin betonen, dass vegane Ernährung keinen Verzicht bedeutet, aber ich kann ja zukünftig hinzufügen, dass dies meine persönliche Ansicht ist, und dass es da sicher auch andere, gleichwertige Ansichten gibt ;)

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