Tierausbeutung
Die Anzahl der „Nutztiere“, welche vom Menschen täglich für die verschiedensten Zwecke ausgebeutet werden, ist so unvorstellbar hoch, dass man sie verstandesgemäß kaum adäquat erfassen kann. In nahezu allen erdenklichen Bereichen werden Tiere verwendet: Als „Lieferanten“ für Nahrung und Bekleidung (wie Fleisch, Eier, Milchprodukte, Gelantine, Kaviar, Leder, Pelz, Wolle, Federn, ...), als Versuchsobjekte (in der Kosmetik, Medizin und Forschung), zur Unterstützung von verschiedenen Berufsgruppen (wie Polizei, Lebensretter und Therapeuten), zur bloßen Unterhaltung (im Zirkus, Zoo, Fernsehen, Hunde- & Pferderennen, Stier- & Hahnenkampf, Reit- & Angelsport, Jagd, ...) sowie millionenfach als Kinder- & Partnerersatz oder Kuschelobjekt in Form von Haustieren.
Die allermeisten dieser Tiere müssen ihr Leben für die Nahrungserzeugung lassen - insbesondere für die Fleischproduktion, die sich seit 1959 weltweit vervierfacht hat (1; 2). Allein in Deutschland werden für die Fleischindustrie jedes Jahr mehr als 2 Milliarden Tiere getötet - das sind mehr als 23 Mal so viele Tiere wie Deutschland Einwohner zählt (3). Mit dieser immensen Zahl an getöteten Tieren liegt Deutschland als Fleisch-"Produzent" an weltweit vierter Stelle - nach China, USA und Brasilien (4). Da Fleisch-Konsum in vielen Kulturen noch immer als Status-Symbol gilt, steigt der Fleischverzehr gewöhnlich mit zunehmendem Wohlstand (4). Mit Blick auf die stetige Annährung der "Dritte-Welt-Länder" an die Lebensweise der Industrie-Staaten schätzt die Welternährungsorganisation FAO daher, dass sich die weltweite Fleisch-"Produktion" in den nächsten Jahrzehnten sogar noch verdoppeln wird: von 229 Mio. Tonnen im Jahr 1999 auf 465 Mio Tonnen 2050 (4).
So wie bei diesen Angaben ist meist nur vom „Gewicht in Tonnen“ die Rede, wodurch man nicht mal mehr auf die genaue Menge der getöteten Tiere schließen kann. Dies zeugt von der Gefühllosigkeit der Tierausbeuter, welche die Tiere nicht als Individuen wahrnehmen, sondern als reine „Maschinen“, die man bis zum Maximun ausbeuten kann.
Jedoch sind Tiere keine Eier- oder Fleisch-produzierende Maschinen, sondern leidensfähige Lebewesen, deren Nervensystem dem menschlichen in keinster Weise nachsteht. Es gibt also keinen Grund zur Annahme, dass Tiere keine vergleichbaren Schmerzen und Angst empfinden wie der Mensch. Insbesondere im Schlachthaus, wenn sie in der Warteschlange vor der „Betäubungsbucht“ stehen, und den Blutgeruch sowie die Schreie ihrer Artgenossen wahrnehmen, zeigen sie ängstliche und panische Reaktionen, die unseren sehr ähneln.
Massentierhaltung
Tiere, welche für die Nahrungsmittelproduktion gehalten werden, verbringen ihr Leben in der Regel nicht auf saftig grünen Wiesen eines kleinen, familiären Bauernhofes, auch wenn dies uns die Werbung und Lebensmittel-Verpackungen den Konsumenten gern glauben machen will. Die überwiegende Mehrheit dieser „Nutztiere“ fristet ihr Dasein unter den unwürdigen Bedingungen der Massentierhaltung - welche heutzutage gern auch euphemistisch als „Intensivhaltung“ bezeichnet wird, denn der Begriff „Massentierhaltung“ hat inzwischen selbst bei den unaufgeklärtesten Konsumenten einen schalen Beigeschmack - zu Recht.
In den letzten 50 Jahren wurde der „einfache Bauer“ von großen Konzernen und Firmen verdrängt, welche in ihrem Gewinnstreben den größtmöglichsten Profit aus den Tieren herausholen möchten (2). Kath Clements schrieb dazu: „Bauernhöfe sind zu Fabriken geworden. Tiere werden behandelt wie Maschinen, die Billigfutter in teures Fleisch verwandeln, und jede Neuerung, die zu einem billigeren „Umwandlungsverhältnis“ führt, wird eingesetzt“ (2).
Intensiv-Halter versuchen also, so viel tierische Nahrungsmittel wie möglich mit so wenig Kosten wie nötig zu produzieren. Eine Einsparung besteht beispielsweise darin, den Tieren nur minimalen Platz zuzugestehen: Zum einen sinken dadurch die Ausgaben für Stallflächen, Beleuchtungs- und Heizkosten, zum anderen verbrennen die Tiere durch den Bewegungsentzug weniger Energie für „nutzlose“ Bewegungen, sodass die gleiche Menge Nahrung mehr Gewichtszuwachs, und somit auch mehr Geld für die Nutztierhalter einbringt (1).
Zudem hat der Mensch mithilfe von genetischer Züchtung und Spezial-Nahrung Tiere geschaffen, die unnatürlich viel Milch und Eier geben, und die in Rekordzeit Umengen an Gewicht (insbesondere Fett) zulegen, was einen höheren Marktpreis für das Tier einbringt. So hat beispielsweise das Bein eines Mastschweines einen Fettanteil von 22%, während ein frei lebendes Wildschwein nur 2,5% Fett aufweist (2). Fleisch-konsumierende Menschen essen demnach keine gesunden Tiere, sondern laut Dr. Alex Comfort „krankhaft fettbeladene Kreaturen“ (1). Das dies weder für Tier noch Mensch gesund ist, mag nicht verwundern.
Abgesehen von dem Futter entsprechen auch die sonstigen Lebensbedingungen für die Tiere in keinster Weise ihren natürlichen Bedürfnissen: Sie werden in fast immer in riesigen, fensterlosen Hallen gehalten, wo sie ihr Dasein in kleinsten Käfigen, Buchten und Einzelboxen fristen. Der Platz pro Tier ist meistens so knapp bemessen, dass sie sich in der Regel nur hinsetzen und wieder aufstehen, jedoch nicht umdrehen, geschweige denn herumlaufen können. Oft hält man die Tiere auf kahlem Spaltboden, durch den die Exkremente fallen können. Einstreu und Stroh würden nur die Reinigung erschweren, und die Haltungskosten insgesamt in die Höhe treiben. Sonnenlicht bekommen die Tiere in der Intensivhaltung in der Regel erst beim Abtransport zum Schlachter zum ersten Mal zu Gesicht.
So bleibt den bewegungslosen Tieren in ihrer monotoner, öder Umgebung nichts weiter als Fressen und Dösen. Da die angeborenen Bedürfnisse der „Nutztiere“ unter diesen unwürdigen Bedingungen stets frustriert werden, entwickeln sie stereotype Verhaltensmuster (schütteln beispielsweise unaufhörlich den Kopf oder beißen in die Gitterstäbe ihrer Box), und zeigen sogar so unnatürliche Verhaltensweisen wie Kannibalismus, welche ihre Artgenossen in freier Wildbahn niemals an den Tag legen.
Aufgrund der Frustration ihrer sämtlichen Bedürfnisse, der immensen Belegungsdichte, der Enge und Bewegungslosigkeit, der unnatürlichen Nahrung und Züchtung, der mangelnden Hygiene in der Bestallung sowie der damit zusammenhängenden beißenden Ammoniakdämpfe ist es kaum verwunderlich, dass die „Nutztiere“ der Massentierhaltung trotz eines immensen Medikamenten-Aufgebotes sehr krankheitsanfällig sind, und diese Torturen oftmals nicht überleben. Auch an den Folgen von Fehlbehandlungen sterben in der Intensivhaltung jedes Jahr überaus viele Tiere. Allein in Großbritannien geht man von 16.000 größeren Tieren täglich (!) aus, die durch Vernachlässigung, Unterkühlung, medikamentösen Nebenwirkungen oder anderen Fehlbehandlungen zu Tode kommen (2). Hoch gerechnet auf ein ganzes Jahr sterben also mehr Tiere an Fehlbehandlungen in der Massentierhaltung als durch (die nicht minder grausamen) Tierversuche (2).
Aufgrund dieser hohen Mortalität ist es für die Intensivhalter laut einem Hühnerzüchter „wirtschaftlich vorteilhaft, mehr Tiere als empfohlen zu halten, da ein höherer Besatz die steigende Sterberate mehr als ausgleicht“, was sich wiederum als Teufelskreis auf Gesundheit und Mortalität der Tiere auswirkt (2).
Tiertransporte
Sind die am Leben gebliebenen „Nutztiere“ schlachtreif oder nicht mehr länger rentabel, werden sie (oft unter Einsatz von Elektrogeräten oder anderen rabiaten Methoden) in LKWs getrieben oder in Akkordarbeit in Transportkäfige gestopft. Da der Gewinn pro Transport mit der Anzahl der verladenen Tiere steigt, versuchen die profitorientierten Unternehmen, so viele Tiere wie möglich in die oft mehrstöckigen Fahrzeuge zu pferchen. Die groben Einlade-Methoden sowie die Enge auf dem Transporter führen bei den Tieren oft zu Verletzungen wie Beinbrüche bei Schweinen, Schafen und Rindern, oder abgeklemmte Beine und Flügel bei Hühnern & Puten. Da zwischen Herkunftsort und Schlachthof oft tausende von Kilometern liegen, sind die Tiere oft tagelang unterwegs. Zwar gilt innerhalb der EU eine Richtlinie, welche eine Höchstdauer der Transporte vorschreibt, allerdings kann diese unter bestimmten Bedingungen unbegrenzt verlängert werden. Doch selbst wenn die derzeit geltenden gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden, führen die Transporte bei den verängstigten Tiere zu Erschöpfung und akutem Stress. Während des Transports werden sie nur unzureichend mit Futter und Wasser versorgt, und auch die jahreszeitlich variierenden Außentemperaturen können das Leiden der Tiere während der Fahrt zusätzlich erhöhen: Bei Transporten im Winter kann es zu Unterkühlungen kommen, bei Transporten im Sommer kann die Hitze die Dehydration der Tiere weiter verstärken. Daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Tiere sterben, bevor sie die Schlachthöfe erreichen.
Schlachtung
Auf die lebend im Schlachthof angekommenen Tiere, wartet je nach ihrer Art ein ein unterschiedliches Schicksal:
Kühe werden nach der Ankunft in eine „Betäubungsbucht“ getrieben, um dort mit Elektrozangen oder einem Bolzenschussgerät betäubt zu werden. Anschließend hängt man sie an den Beinen auf und schlitzt ihnen die Halsschlagader auf. Durch diesen Kehlenschnitt bluten die Kühe langsam aus, bis nach etwa 10 Minuten Atmung und Herzschlag nachlassen und das Tier stirbt.
Schweine werden nach der Betäubung mit Bolzenschuss oder elektrischem Strom in ein Brühbad geworfen, damit ihre Haare entfernt und ihre Haut aufgeweicht wird.
Hühner, Gänse und Puten werden bei vollem Bewusstsein kopfüber an ein Fließband gehängt und durch ein Betäubungsbad gezogen. Anschließend werden sie vollautomatisch getötet, im Brühbad versenkt (damit sich die Federn leichter entfernen lassen), und letztendlich gerupft. Laut der Fachzeitschrift „Die Ernährungsindustrie" können mithilfe dieser vollautomatischen Anlagen bis zu 8000 Hühner pro Stunde getötet werden (2)
Theoretisch sollte also der Tötungsvorgang durch die vorherige Betäubung bei jedem Tier völlig schmerzlos sein - praktisch sieht das Ganze jedoch völlig anders aus:
Die Schlachter werden nach Akkord bezahlt und müssen - um wettbewerbsfähig zu bleiben - mehr Tiere pro Stunde töten als ihre Konkurrenten. Die Folge davon ist, dass Betäubungen im Rekordtempo verrichtet werden, was sich in mangelnder Sorgfalt niederschlägt: Elektrozangen und Bolzenschussgeräte können bei dieser enormen Geschwindigkeit nur fahrlässig verwendet werden, und auch für den behutsamem Umgang mit den Tieren bleibt keine Zeit (1). Viele Tiere sind beim Tötungsvorgang also nur unzureichend betäubt, und bekommen somit das Aufschlitzen ihrer Kehle, das 10minütige Ausbluten über Kopf oder das Verbrühen im Brühbad bei vollem Bewusstsein und Schmerzempfinden mit.
Reformen
Doch selbst wenn man den Tötungsvorgang durch mehr Sorgfalt „humaner" gestaltet, und auch das leidvolle Leben der Tiere durch gesetzlich Reformen (beispielsweise die Einführung der „Kleingruppenhaltung“ als Ersatz für die bisherige Käfighaltung) minimal verbessert, so ändert dies nichts an der Tatsache, dass der Mensch die Tiere weiterhin für seine eigenen Zwecke missbraucht und ausbeutet. Keine dieser Reformen zielt darauf ab, die vergleichbaren Interessen der Tiere wahrzunehmen, nämlich ein Recht auf Leben in Freiheit sowie körperliche Unversehrtheit. Stattdessen bewirken diese Reformen lediglich, dass die Konsumenten tierischer Produkte ein weniger schlechtes Gewissen bei ihrem Konsum haben, und somit vermehrt zugreifen und zubeißen. Der wahre „Gewinner“ solcher Reformen ist also die Nahrungsmittelindustrie, die steigende Umsätze verzeichnen darf - und wie immer sind die Tiere die Leidtragenden.
Tierprodukte aus Bio-Haltung
Unabhängig von diesen Reformen greifen immer mehr Menschen auf Tierprodukte aus Biohaltung zurück, und rechtfertigen ihren Eier-, Fleisch- und Milchkonsum (vor sich selbst und anderen) mit der Aussage, dass die Tiere vor ihrem Tod wenigstens ein „gückliches Leben“ geführt haben. Doch auch in der biologischen Haltung wird den Tieren trotz mancher Verbesserungen kein artgerechtes Leben gewährt. Da Bio-Bauernhöfe - ebenso wie konventionelle Massentierhaltungbetriebe - im Wettbewerb zur Konkurrenz stehen, müssen sie möglichst gewinnorientiert arbeiten. Aus diesem Grund verwenden auch Bio-Bauerhöfe hochgezüchtete Tiere, die schon nach wenigen Wochen und Monaten aufgrund ihrer angezüchteten Spitzenleistungen und ihrem Turbo-Wachstum massive gesundheitliche Schäden davon tragen. Auch hier werden die Tiere zu Tausenden gehalten, sodass sich insbesondere bei Hühnern in diesen unnatürlich großen Gruppen keine stabile Rangordnung herausbilden kann, und sie untereinander daher andauernd Rangkämpfe austragen. Zudem werden auch bei der Boden- Freiland- & Ökohaltung die männlichen Küken sofort nach dem Schlüpfen aussortiert und anschließend vergast, erstickt, ertränkt oder im Fleischwolf gehäckselt, da sie wegen ihrer fehlenden Legeleistung für die Betreiber genauso unrentabel sind wie in der konventionellen Käfighaltung. Genau wie in der Massentierhaltung sterben auch bei diesen Haltungsvarianten die Tiere vorzeitig an Stress, körperlicher Erschöpfung, Krankheiten oder Verletzungen, die sie sich gegenseitig zugefügt haben. Und auch Biohöfe können es sich finanziell nicht leisten, Tiere länger zu halten, als sie Gewinnbringend sind; so werden auch dort Hühner, die nicht mehr genug Eier legen, oder Kühe, die nicht mehr genug Milch geben, zu den gängigen Schlachthöfen transportiert und genau wie die konventionellen „Nutztiere“ getötet.
Doch all dies wird dem Konsumenten verschwiegen, wenn ihm Bilder von angeblich „glücklichen Hühnern“ auf grünen Wiesen gezeigt werden, um sein Gewissen zu beruhigen. Auch Vegetarier, die sich aufgrund ihrer fleischlosen Ernährung dem „normalen“ Konsumenten moralisch oft im Vorteil fühlen, tragen zur dieser Ausbeutung bei.
Literatur
1) Peter Singer. Animal Liberation (Deutsche Erstausgabe)
2) Kath Clements. Vegan (6. Auflage 2008)
3) Statistisches Bundesamt (2006)
4) Staud & Reimer: Wir Klimaretter (1. Auflage 2007)

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