Rezension: "Warum wir nicht warten können" von Martin Luther King

Martin Luther King beschreibt in seinem Buch „Warum wir nicht warten können“ das Engagement der Bürgerrechtsbewegung zur Abschaffung der Rassentrennung in Birmingham, Alabama in den Jahren 1963 bis 1964. Birmingham war damals weitläufig bekannt durch die offen zur Schau gestellte, rassistisch motivierte Gewalt der weißen Bevölkerung gegenüber ihren afroamerikanischen Mitbürgern. Zur Unterstützung der ortsansässigen Bürgerrechtler kam Martin Luther King mit seiner Gefolgschaft in die Stadt, um mithilfe seines erfolgreich erprobten Weges des gewaltlosen Widerstandes gegen diese eklatanten Missstände vorzugehen.

In seinem Buch schildert der spätere Friedensnobelpreisträger seinen steinernen Weg zum Erfolg in Birmingham. Dabei erwähnt King nicht nur verdienstreiche Erfolge – wie seinen legendären „Marsch nach Washington“, bei dem er als Höhepunkt der Kundgebung seine weltberühmte Rede „I have a dream“ vor 250.000 Menschen hielt – sondern veranschaulicht auch die Misserfolge, Probleme und Nöte der Bewegung. Dazu zählte insbesondere auch die massive Gewalt von Seiten der Birminghamer Polizei unter der Führung des „Bull“ Connor, der für sein erbarmungsloses Vorgehen gehen friedliche Demonstranten und sogar Kinder weltweit für Aufregung sorgte.

Meiner Meinung nach fehlt „Warum wir nicht warten können“ jegliche Brillanz, die man von dem sonst so eloquenten King gewohnt ist. Dieses Buch liest sich eher wie ein nüchternes Sachbuch, welches Ereignisse lediglich trocken aneinanderreiht, anstatt wie ein anschaulicher, autobiographischer Bericht. Von der mitreißender Rede
gewandtheit des berühmten Bürgerrechtlers ist in dieser Lektüre leider nichts zu spüren. Wer Kings großartiges Buch „Freiheit. Von der Praxis des Gewaltfreien Widerstandes“ gelesen hat, wird von „Warum wir nicht warten können“ nur enttäuscht sein.

Der einzige Abschnitt, in dem Kings hervorragende Rhetorik zum Ausdruck kommt, ist der berühmte Brief, welchen er aus dem Birminghamer Gefängnis an weiße Geistliche aus der Stadt schreibt. Jedoch ist dieser auch im Werk „Freiheit“ abgedruckt, sodass es für mich keinen Grund gibt, „Warum wir nicht warten können“ weiterzuempfehlen. Wer etwas über die bedeutungsvollen Vorkommnisse in Birmingham und den berühmten Marsch nach Washington in Erfahrung bringen will, sollte lieber eine der unzähligen Biographien über Martin Luther King zur Hand nehmen, anstatt sich mühsam durch die 150 Seiten von „Warum wir nicht warten können“ zu kämpfen.

Art: 

Neuen Kommentar schreiben